Privat
2016: Weltpolitisch ein düsteres Jahr – Kriege, Terror, Katastrophen. Privat? Großartig. Wir verbringen den Sommer in Tel Aviv und Berlin und heiraten anschließend im sonnigen (!) Vancouver. Die Feier im Bridges Restaurant auf Granville Island ist magisch. Ach ja, und wir ziehen in ein Haus in meiner absoluten Lieblingsstraße in Toronto.
2017: Nach einem Semester mit Rachel in Ann Arbor und einem kurzen Abstecher nach Tel Aviv kehren wir im Juni nach Toronto zurück – gerade rechtzeitig zur Geburt unseres Sohnes Rafi. Das Haus ist noch immer eine Baustelle, aber Ende Oktober, genau ein Jahr nach der Schlüsselübergabe, ziehen wir endlich ein. Später im Jahr stellen wir Rafi seinen Familien in Deutschland und Israel vor.
2018: Das Jahr beginnt in New York, wo Rachel an der Columbia unterrichtet. Im Mai geht es nach Tel Aviv, im August nach Berlin und anschließend nach Vermont zum 80. Geburtstag von Rachels Vater. Den Rest des Sommers verbringen wir zu Hause in Toronto. Von Oktober bis Dezember ist Ruben bei uns – reichlich Zeit also für die Brüder, sich näher kennenzulernen.
2019: Im Januar bekommt unser kleines Rudel Zuwachs: Chai, ein Goldendoodle-Welpe. Im Mai machen wir eine fantastische Reise nach Japan. Den Sommer über unterrichte ich in Berlin, während Rachel beginnt, einmal die Woche nach Harvard zu pendeln – langweilig wird es jedenfalls nicht. Im Dezember gibt es ein Wiedersehen mit alten Freunden in San Francisco und Familienzeit in Vancouver.
2020: Kurz bevor die Welt dichtmacht, schaffe ich noch einen schnellen Besuch in Deutschland. Dann: Lockdown. Rachels Eltern „campen“ zehn Wochen bei uns – gerade rechtzeitig zur Geburt von Sohn Nummer zwei, Leo. Geplant ist eine Hausgeburt; ungeplant ist, dass ich plötzlich die Rolle der Hebamme übernehmen muss, weil die eigentliche im Verkehr stecken bleibt und den großen Moment um zwanzig Minuten verpasst. Im Herbst nehme ich Elternzeit und kehre, wann immer es die Zeit erlaubt, zu meinem Fantasyroman zurück.
2021: Im März beende ich eine erste vollständige Fassung des Manuskripts – fertig ist es damit allerdings noch lange nicht. Ein Forschungssemester hilft. Ansonsten bleiben wir mehr oder weniger zu Hause und hoffen, dass die Impfkampagne den Sommer rettet. Tut sie nicht. Leo kommt in die Kita, Rafi in den Kindergarten, und die Pandemie … zieht sich.
2022: Nach einem weiteren langen Pandemiewinter fühlen wir uns ein wenig wie Überlebende. Endlich reisen wir wieder: im Sommer nach Deutschland, im Dezember nach Israel. Schön, wieder unterwegs zu sein. Ich inszeniere The Struwwel, meine Bearbeitung des Struwwelpeter – wie sich herausstellt, mein letzter studentischer Theaterproduktionskurs. Und das Jahr endet mit einem Höhepunkt: Meine wissenschaftliche Monografie Die Geschichte des türkisch-deutschen Theaters und Kabaretts erscheint im transcript Verlag.
2023: Nach pandemiebedingter Pause unterrichte ich zum letzten Mal einen U-of-T-Sommerkurs in Berlin. Zeit für Neues. Und fürs Reisen: Mit meinem Vater, meinem ältesten Sohn Ruben und meinem Bruder Atilla geht es in die Türkei; für die Kappadokien-Etappe kommt seine Frau Belgin dazu. Und weil das offenbar noch nicht genug Türkei für ein Jahr war, beschließen wir es im Dezember mit einem Familienurlaub auf Turks & Caicos.
2024: Der Januar steht ganz im Zeichen der Reha – endlich kümmere ich mich um die Rotatorenmanschette, die ich mir zwei Winter zuvor beim Gewichtheben in einer Garage bei Minusgraden gerissen habe. Zur Genesung gehört auch ein Abstecher nach Mexiko. Im Sommer geht es nach Deutschland und erstmals nach Irland. Ende August kaufen wir ein Cottage bei Gravenhurst. Ein echter Gamechanger: unser eigenes kleines Schlupfloch außerhalb der Stadt.
2025: Wir verbringen ein wunderbares Forschungssemester in Freiburg – die Kinder in Schule und Kindergarten, ich tief in der Überarbeitung meines Fantasyromans, der nach mehr Jahren, als ich zählen möchte, tatsächlich fertig wird. Sogar eine Woche Skifahren in Frankreich passt noch hinein. Im Juli geht es zurück nach Kanada und endlich in unser Cottage, das wir am allerletzten Tag des vergangenen Sommers gekauft hatten. Danach weiter nach Vancouver zu Rachels Eltern, während die Kinder ins Camp gehen.
2026: Während ich mich von einer weiteren Schulteroperation erhole – diesmal die andere Rotatorenmanschette; zum Glück habe ich keine drei Schultern –, gerate ich in einen erstaunlichen Schreibrausch. Am Ende stehen die Veröffentlichung meines Essays Mein jüdisches Paradox im MERKUR, das fertige Manuskript Der Unsichtbare Schnurrbart: Autofiktionen und die Arbeit an Zwischen zwei Ufern, einem neuen Theaterprojekt, das im November in Toronto auf die Bühne kommt. Daneben schaffen wir es noch einmal nach Freiburg, verbringen herrliche Tage in Österreich und landen – natürlich – wieder in Vancouver. Von dieser Stadt bekommen wir offenbar nie genug.